Zuspruch in der Corona-Krise

Liebe Gemeinde!

Liebe Schwestern und Brüder!

 

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, das kann wohl jeder von uns sagen. Es ist eine ganz außergewöhnliche Situation in der wir uns alle gerade befinden. Das Leben geht weiter. Der Frühling lockt nach draußen und nach dem verregneten Winter freuen wir uns über die ersten Sonnenstrahlen und sehnen uns danach in die Natur, in die Straßen, in unsere Nachbarschaften zu gehen, unsere Kontakte wieder aufleben zu lassen, Freunde zu treffen, etwas gemeinsam zu unternehmen. Und dann gibt es da etwas – unsichtbares, nicht greifbares – das genau dem entgegensteht, das unser aller Leben gefährdet, ja gerade den Alten und Vorerkrankten lebensgefährlich werden kann. Das einzige Medikament gegen diesen Virus ist Abstand, Distanz, wenig Kontakt. Das geht gegen all das, was wir jetzt so gerne täten. Und weil der Virus nicht zu sehen ist, sprechen unsere Gefühle, unsere Impulse und unser Verstand so ganz verschiedene Sprachen. Wir sind es gewohnt Not und Gefahr gemeinsam zu tragen. Aus Erfahrung wissen wir, wie gut das tut. Schon so oft haben wir die heilende Kraft der Gemeinschaft erlebt. Wie gerne würden wir zusammenkommen und gemeinsam beten, bitten, singen und feiern, trauern, Hilfe erleben und Gott um seine Nähe und seinen Beistand bitten. Doch gerade das ist uns jetzt nicht möglich. Zumindest nicht in der Form, wie wir es kennen. Zwar sind unsere Kirchen zu den gewohnten Zeiten geöffnet, aber es finden keine Gottesdienste statt. Beter kommen – aber nicht zum gemeinschaftlichen Gebet. Das stellt uns auf eine harte Probe und fordert viel von uns.

Doch seien Sie gewiss, Gott ist mit uns. Seine Gnade und sein Segen ruhen auf uns. Er lässt uns nicht alleine, auch wenn wir das zurzeit nur schwer erfahren und nicht gemeinsam feiern können.

365-mal steht in der Bibel der Zuspruch, die Zusage, ja die Aufforderung „Fürchte dich nicht“. Ist das ein Zufall? 365-mal, einmal für jeden Tag. Gott hat uns in der Taufe zugesagt, dass wir in seiner Hand geborgen sind, dass er uns trägt und hält und uns zur Seite steht. In seinem Sohn Jesus Christus sehen wir diese Liebe Gottes zu uns Menschen. Die Heilungsgeschichten der Evangelien erzählen uns von Jesus und seinem Wirken. Er ist ein ausgesprochener Spezialist für schwere Zeiten und schwere Situationen. Wenn es schwierig wird, das ist sein Spezialgebiet. Vielleicht ist er gerade jetzt mit seinem Heiligen Geist am Werk beim Pflegepersonal und den Ärzten, bei allen, die für unsere Grundversorgung sorgen, bei dem, der nur ein Paket Toilettenpapier kauft, bei den jungen Menschen, die sich jetzt für die nahe Zukunft einsetzen, für Andere einkaufen gehen und auf lieb gewordenes verzichten. Ihnen allen sind wir sehr dankbar.

Feste Gebräuche lassen uns Jesus nahe sein. Das tägliche Gebet des Vater unsers, des Rosenkranzes, die Allerheiligenlitanei sind z. B. solche Möglichkeiten. Ich selbst finde im Gebet der Psalmen viel Ruhe und inneren Frieden. Manche, oder einige Verse daraus, dieser alttestamentlichen Lieder scheinen wie extra für uns komponiert (Ps 57,1-4; Ps 63; Ps 71 und viele andere mehr).

Auf unserer Homepage haben wir Gebete gerade jetzt für in der vom Corona-Virus geprägten Zeit abgedruckt. Sie liegen auch in unserer Pfarrkirche St. Margaretha aus. Dort können Sie Ihre Bitten aufschreiben und auf den Stufen vor den Altar legen. Um 19:30 Uhr läuten täglich in der evangelischen Kirche und in unseren Kirchen die Glocken. Sie laden ein zum Gebet. Viele verbinden sich dann um diese Uhrzeit im Gebet zu einer großen, nicht sichtbaren, aber doch existierenden Gemeinschaft. Manche zünden eine Kerze an und stellen sie ins Fenster. Kleine Zeichen unserer Gemeinschaft.

Auf unserer Homepage haben wir ebenfalls manche Möglichkeiten zur gemeinsagen Feier aufgeschrieben. Dort finden Sie Links, wo Sie täglich über das Internet verbunden einen Gottesdienst mitfeiern können. Auch ist dort etwas zu lesen über meine Idee, einen Gegenstand, ein Symbol für sich in die Kirchenbank zu legen und so unsere unsichtbare Gemeinschaft sichtbar zu machen.

In unseren Kirchen liegen gesegnete Kerzen bereit und die Weihwassergefäße sind reichlich gefüllt. So können Sie den Segen Gottes mit in Ihre Häuser und Wohnungen, in Ihre Familien tragen und ihn weitergeben. Die ausliegenden Gebet- und Gesangbücher, unser Gotteslob, dürfen Sie in dieser Zeit, wenn Sie kein eigenes im Haus haben, selbstverständlich gerne ausleihen. Ein reicher Schatz an Gebeten, Liedern und Texten liegt dort für Sie bereit, z.B. Nr. 834 oder Nr. 453. Unter der Nr. 636 findet sich ein Vorschlag für ein kurzes Inne halten am Tag. Im Seelsorge-Team denken wir immer wieder über weitere Möglichkeiten der Seelsorge in diesen besonderen Zeiten nach.

Und sind Sie gewiss, ich und wir nehmen Sie mit in unser Gebet und bitten genauso um Ihr fürbittendes Gebet für uns alle.

 

In hoffnungsfroher Gewissheit, dass Gott mit uns ist

 

Für das Seelsorgeteam

Ihr Pastor Ludger Jonas