Thorsten Meyer legt den Taktstock nieder

„Es könnte emotional werden“
Thorsten Meyer dirigiert sein letztes Konzert für das Blasorchester Emstek.

Thomas Vorwerk

Foto 1: Thorsten Meyer legt den Taktstock nieder
Foto 2:
En Garde: Für seinen letzten Auftritt als Dirigent bringt sich Thorsten Meyer in Stellung. Vorwerk

Emstek Thorsten Meyer legt den Taktstock zur Seite. Zumindest am Dirigentenpult des Blasorchesters Cäcilia Emstek.
Nach 15 Jahren wechselt er die Perspektive und gesellt sich zum tiefen Blech, wo seine Heimat ist.

Warum der Seitenwechsel? Haben Sie keine Lust mehr?
Ich habe durchaus noch Lust. Als ich den Posten übernommen habe, dachte ich: 10 Jahre, dann muss ein Wechsel her.
Das ist eine gute Zeitspanne, um etwas aufzubauen und zu entwickeln. Den Emsteker Chor habe ich auch 10 Jahre geleitet. Jetzt sind es sogar 15 Jahre geworden.

Was dem Orchester nicht geschadet hat.
Man braucht eine gewisse Zeit, um zu spüren, was geht. Was wollen die Musiker? Man muss sich aufeinander einstellen. Und da wurden es dann eben 15 Jahre.
Ist der Schlusspunkt mit dem Jahreskonzert am Sonntag bewusst gewählt?
Ich hätte gerne mit dem Kirchenkonzert aufgehört, aber das war dann doch ein wenig zu spontan. Das Frühjahrskonzert war auch mein erster Auftritt als Dirigent, jetzt wird es der letzte sein. Da schließt sich dann auch ein Kreis, zumal ich die letzten beiden Jahre ausgefallen bin.

Wird es für die Zuhörer ein besonderes Konzert sein?
Ich denke, es wird für alle ein außerordentliches Erlebnis werden. Es ist mir noch nie so schwergefallen, ein Programm zu erstellen. In der Vergangenheit hatte man sich ein Motto gewählt oder man hatte seine Favoriten, um die herum man ein Thema entwickelt hat. Ich wollte meine Lieblingsstücke aus 15 Jahren nehmen, aber das sind sehr viele.
Ich habe in der Vergangenheit immer Wert darauf gelegt, besonders vielseitig zu sein. Das möchte ich jetzt natürlich auch abdecken, aber die Auswahl ist groß.

Also gibt es ausschließlich Bekanntes?
Fast. Mit der Ouvertüre zu „Dichter und Bauer“ haben wir ein neues Stück dabei. Die Noten hat das leider bereits verstorbene Orchestermitglied Aloys Deeken gestiftet und es war schon einstudiert, doch dann kam 2020 Corona.
Das Jahreskonzert war eine der ersten Veranstaltungen, die seinerzeit abgesagt wurden, und das war sicherlich die richtige Entscheidung.

Dirigenten sind ein rares Gut. Wurden Sie auch von anderen Vereinen umworben?
Möglichkeiten hätte es auch woanders gegeben, und es gab Phasen, da wurden regelmäßig Anfragen an mich herangetragen.
Aber Emstek war für mich eine Herzensangelegenheit. Als dann Stefan Hackmann und Ludger Vocke (erster und zweiter Vorsitzender) zu mir nach Vechta kamen, ist die Entscheidung am Küchentisch gefallen.

Die fachliche Qualifikation hatten Sie mitgebracht?
Die Ausbildung habe ich als Teil meines Studiums gemacht und die Leitung des Gesangvereins hatte ich schon einige Jahre. Für mich war aber immer klar, dass ich ein Blasorchester übernehmen möchte.

Wie war es, das Dirigat von Helmut Krause zu übernehmen?
Ich hatte vorher schon bei verschiedenen Gelegenheiten dirigiert und vertretungsweise die Proben geleitet. Die Verantwortung zu übernehmen, ist aber etwas ganz anderes. Helmut Krause hat das Orchester in einem ganz hervorragenden Zustand hinterlassen und es waren zweifellos große Fußstapfen.
Ein paar Stücke, von denen er nicht so Fan war, habe ich dann angepackt. Was ich von ihm übernommen habe, ist die Liebe zur klassischen oder romantischen Musik. Gerade, was Ouvertüren betrifft.

Mit dem Kolpingorchester hat sich eine Nebenbuhlerin eingeschlichen.
Das Kolpingorchester in Vechta habe ich vor 10 Jahren übernommen und dort plane ich auch noch keinen Abschied. Sie haben damals sehr freundlich gefragt und ich habe klargestellt, dass Emstek die erste Priorität ist. Ich habe meinen Lebensmittelpunkt mit meiner Familie in Vechta. Wir haben hier gebaut und ich gehöre im Kolleg St. Thomas zur Schulleitung. Da passte ein Engagement in der Kreisstadt ganz gut.

Zurück nach Emstek. Glauben Sie, dass der Wechsel schwierig wird?
Ich habe auch schon bei einem Konzert mitgespielt, das mein Nachfolger Benedikt Deeken geleitet hat. Das ging ganz wunderbar als Hinterbänkler.

Was machen Sie mit der neu gewonnenen Zeit?
Viel mehr Zeit wird es vielleicht gar nicht werden, aber ein wenig mehr Freiheit. Als Dirigent ist man fest verplant. Allerdings habe ich vor einem Monat auch das Orchester am Kolleg St. Thomas übernommen. Langweilig wird mir also nicht.

Wird es am Sonntag emotional?
Ich hoffe, dass der Funke schnell überspringt, denn es sind keine abstrakten Stücke dabei. Im zweiten Teil könnte es auch etwas bewegend für mich werden.

Das Konzert von Blasorchester und Jugendblasorchester beginnt am kommenden Sonntag (15. März) um 17 Uhr in der Dreifeldsporthalle an der Ostlandstraße. Karten gibt es im Vorverkauf (10 Euro) bei der Volksbank, beim Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit und bei den Vorstandsmitgliedern.
An der Abendkasse zahlen alle über 12-Jährigen 12 Euro.

Quelle: MT
OM-Medien GmbH & Co. KG

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