Sein letztes Konzert als Dirigent gab Thorsten Meyer am Sonntag in Emstek![]()
Thomas Vorwerk
Foto: Gut gelaunt: Nach den ersten Stücken wich die Anspannung und Thorsten Meyer hatte sichtlich Vergnügen an seinem letzten Konzert als Dirigent. Vorwerk
Emstek Beim Zähneputzen am Morgen, da hatten sich die Augen ein wenig mit Tränen gefüllt. Wenn es bei dieser Routine schon zu einem emotionalen Tsunami kommt, was sollte dann erst am Konzertabend passieren?
Das waren Gedanken, die sich Thorsten Meyer vor dem Jahreskonzert des Blasorchesters Emstek gemacht hat. Es sollte sein letzter Auftritt als Dirigent des Musikvereins sein, denn nach 15 Jahren macht er den Weg für einen Wechsel frei. Benedikt Deeken wird den Taktstock übernehmen, Meyer wechselt die Perspektive und nimmt mit seiner Posaune im tiefen Blech Platz.
Vereinzelt blitzte am Sonntag schon auf, dass es sich um kein gewöhnliches Konzert handelte. Zum einen war es mit rund 500 Gästen außergewöhnlich gut besucht, zum anderen war im ersten Teil durchaus eine gewisse Anspannung bei Meyer zu erkennen. Nach der Pause war aber alles verflogen. Ein gelöster Dirigent führte nicht nur souverän durch das Programm, er genoss sichtlich die Musik und freute sich über die selbst getroffene Auswahl.
Aus 15 Konzertjahren schöpfte er dabei und schlug gleich zu Beginn mit dem „Mars der Medici“ einen familiären Bogen. Das war das Stück, das sein Vater am 1. Mai 1954 bei seinem ersten Auftritt spielte, und diesen Marsch nahm Meyer vor 15 Jahren ins Repertoire seines ersten Konzertes. Einen persönlichen Bezug gab es auch zur Ouvertüre von „Dichter und Bauer“. Diese Noten hatte das vor drei Jahren verstorbene Orchestermitglied Aloys Deeken beigesteuert.
Auf 70 aktive Jahre hatte es der Musiker gebracht, doch Corona machte dem Konzert 2020 einen Strich durch die Rechnung und er hörte es nie live.
Und er bekam so auch nicht mit, was er den Musikern abverlangte. Die waren aber gut eingestellt auf ihre Aufgabe, was an der guten individuellen Ausbildung liegt, aber auch am frühen Einstieg. Das demonstrierte zuvor auch das Jugendblasorchester unter der Leitung von Anke Lau.
Für sie sei es immer eine besondere Herausforderung, die Novizen zu motivieren, aber nicht zu überfordern. Gleichzeitig sollen sich die, die schon mehr Erfahrung haben, nicht langweilen. Herausgekommen ist ein gelungener Mix, der mit viel Applaus belohnt wurde.
Den gab es am Ende auch für Meyer und das gesamte Orchester, das mit vielen Solisten eindrucksvoll den Leistungsstand des Emsteker Ensembles dokumentierte. Und dies sogar mit Küchenutensilien, wie Michael Nienaber bei der „Löffel-Polka“. Und wie schon so häufig hat Nadine Kleefeld mit ausdrucksstarker Stimme („Blue Moon“) zu Recht einen Sonderapplaus bekommen. Den lautesten Beifall aber bekam Thorsten Meyer, der in aller Bescheidenheit auf die Musiker als die Leistungsträger verwies.
Quelle: MT
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